27.11.18

Schüler mit eigenen Ideen – statt Frontalunterricht

Kategorie: Nachrichten, Archiv

Chinesische Berufsschullehrer aus Guang’an informierten sich in der Brunsbütteler Schleusenschule über die duale Ausbildung und das Schulsystem in Deutschland. (Fotos: egeb)

Lehrer aus Guang‘an zu Gast in Brunsbüttel / Großes Interesse an dualer Ausbildung

Brunsbüttel, 26.11.2018 – Auszubildende, die dem Unternehmen zunächst einmal keinen zählbaren Umsatz einbringen und dann auch noch ein Gehalt verdienen? Für die Berufsschullehrer aus China ist diese Konstellation nahezu undenkbar. Das wurde beim Besuch von 13 Pädagogen aus Guang’an in Brunsbüttel deutlich. „Wir konnten den Gästen aus Fernost einen Einblick in unser duales Ausbildungssystem und auch in den deutschen Unterrichtsalltag geben“, berichtete Volker Jahnke von der egeb: Wirtschaftsförderung im Anschluss.

Erste Station der fernöstlichen Pädagogen war die Schleusen-Gemeinschaftsschule. Dort wurden sie von Brunsbüttels Bürgermeister Martin Schmedtje begrüßt. Anschließend erläuterte Schulleiter Hans-Peter Stein moderne Unterrichtsmethoden, die Raum für Kreativität und für eigene Ideen der Schüler geben. Damit unterscheiden sich die Unterrichtsmethoden deutlich vom chinesischen System, dass noch weitgehend auf Frontalunterricht setzt. Einen inhaltlichen Schwerpunkt in Brunsbüttel ergibt sich durch die Nähe zur Industrie. Die so genannten MINT-Fächer, also Naturwissenschaften und Mathematik, werden in der Schleusenschule ganz besonders gefördert.

In der Ausbildungsabteilung der Covestro Deutschland AG beschrieb Ausbildungsleiter Jürgen Evers die Vorteile des dualen Systems aus Arbeit im Betrieb und Schulunterricht. „Wer hier bei uns dreieinhalb Jahre gelernt hat, ist so fit, dass er in allen Werken des Konzerns weltweit eingesetzt werden kann“, so Evers. Besonders beeindruckt und sicher auch ein wenig irritiert zeigten sich die Gäste davon, dass das Unternehmen drei Jahre Geld und Arbeit in die Ausbildung investiert, bevor die jungen Mitarbeiter erstmals wesentlich zur Wertschöpfung beitragen.

Im Gegenzug berichteten die chinesischen Lehrer von ihrer Berufsschule in der Millionenmetropole Guang’an. Dort leben und lernen in einem gigantischen Gebäude mehr als 13 000 Schüler. Allein der große Hörsaal fasst mehr als 2500 Menschen. Im Gegensatz zu Deutschland können die Schüler erst nach dem Abschluss eine Anstellung in einem Wirtschaftsbetrieb suchen.

Der Besuch der Delegation aus China folgt auf eine Exkursion von Dithmarschern und Steinburgern, darunter Landrat Stefan Mohrdieck, die zuvor unter anderem das Guang’an Vocational an Technical College (GVTC) in der Provinz Sichuan besucht hatte. Auch Martina Hummel-Manzau, Geschäftsführerin der egeb: Wirtschaftsförderung, war in diesem Jahr mit einer Delegation in China, um für die Region weitere Kontakte zu knüpfen und eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen.

Der Austausch ist Teil der Kooperationsvereinbarungen zwischen den beiden Wirtschaftsregionen, die von Torsten Kähler (Good Prospects Consulting GmbH) und Kristian Hamel (WTSH Schleswig-Holstein) sowie von Volker Jahnke (egeb) organisiert und begleitet werden. Guang'an, das Zentrum der Partnerregion, gilt dabei als prosperierende 4,5-Millionenstadt mit großem Entwicklungspotenzial. Seit mehr als einem Jahr werden die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den chinesischen und deutschen Partnern auf unterschiedlichen Ebenen unter anderem durch gegenseitige Besuche vertieft. Im, Zusammenhang mit der beruflichen Ausbildung hat die Zentralregierung in Peking inzwischen realisiert, dass der Ausbildungsstandard verbessert werden muss, um den künftigen Fachkräftebedarf decken zu können. Deutschland gilt dabei, unter anderem wegen des dualen Systems, als Vorbild und willkommener Partner.