27.09.18

Wenn der Druck zu groß wird

Kategorie: Nachrichten, Archiv

Die Resilienztrainer Petra Kaiser und Michael Behrends von der Brücke Schleswig-Holstein gGmbH, zeigten Wege auf, wie die psychische Widerstandskraft im Beruf erhöht werden kann. (Foto: Kienitz/egeb)

Vortrag zum Thema „Resilienz“: Wie die psychische Widerstandskraft im Beruf erhöht werden kann

Itzehoe, 27.09.2018 – Die Arbeit verdichtet sich, die Digitalisierung schreitet voran, jeder muss ständig erreichbar sein – und dann kommen auch noch familiäre Probleme hinzu. Die moderne Arbeitswelt stellt nahezu alle Arbeitnehmer und ihre Vorgesetzten vor Herausforderungen. Doch es gibt Hilfestellungen und Methoden, um die eigene Widerstandskraft im Berufsleben – die so genannte „Resilienz“ - zu erhöhen. „Das lässt sich durchaus trainieren. Schon mit einfachen Verhaltensänderungen wie zum Beispiel, gelegentlich inne zu halten und kleine Pausen einzulegen, kann sich jeder selbst auf den richtigen Weg bringen“, sagte Petra Kaiser von der Brücke Schleswig-Holstein gGmbH auf einer Vortragsveranstaltung des Projekts FRAU & BE-RUF in Itzehoe. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael Behrends, ebenfalls Resilienztrainer, zeigte sie Möglichkeiten auf, den Weg zum Burn-out zu verhindern.

Die Zahl der Krankmeldungen aufgrund psychischer Erkrankungen ist im vergangenen Jahrzehnt sprunghaft angestiegen, wobei in diesen Fällen die Zahl der Krankheitstage durchschnittlich etwa doppelt so hoch ist wie bei somatischen Erkrankungen. „Wir kümmern uns schon seit langem um das Thema Arbeitsschutz, wenn es zum Beispiel darum geht, sich nicht mit einer Kaffeemaschine zu verbrühen. Aber an die psychische Gesundheit wird dabei nur wenig gedacht“, brachte Michael Behrends das Thema auf den Punkt.

Doch es gibt ein Gegenmodell, das aus der modernen Resilienzforschung abgeleitet wird. Dazu gehört zum Beispiel, sich selber Grenzen zu setzen, Konflikte aktiv anzugehen oder auch die eigene Rolle zu klären und Handlungsspielräume zu schaffen. Mittlerweile sind etliche Unternehmen und Behörden auf diesen Zug aufgesprungen und haben Mitarbeiter oder auch ganze Teams in Resilienzschulungen geschickt. Angesichts des Fachkräftemangels legen die Betriebe immer mehr Wert auf ein gutes Betriebsklima und ein arbeitnehmergerechtes Umfeld. Das führt zu einer Unternehmenskultur, die auch die Resilienz der einzelnen Arbeitskräfte in den Fokus rücken lässt.

Doch auch Kollegen können sich durchaus gegenseitig helfen. „Es gibt viele Schritte im Burnout Zyklus. Das reicht von ‚Wird schon gehen‘ bis zur Depression oder völligen Erschöpfung. Etwa in der Mitte ergeben sich Anzeichen nach außen in Form einer sichtbaren Verhaltensänderung.

Spätestens jetzt sollte der Kollege oder Mitarbeiter angesprochen werden“, erläuterte Petra Kaiser, die bei der Brücke Schleswig-Holstein auch für die Personalentwicklung zuständig ist. Allerdings machten beide Referenten deutlich, dass es bei einem Burn-out nur selten ausschließlich berufliche Ursachen gebe. Häufig gebe es zudem familiäre oder andere Probleme im persönlichen Umfeld.

Vor den Vorträgen hatte Astrid Nielsen von FRAU & BERUF in das Thema eingeführt und betont, wie wichtig es sei, rechtzeitig zu handeln. „Es gibt dabei keine einfachen Lösungen“, sagte die Beraterin. FRAU & BERUF ist ein Projekt der egeb: Wirtschaftsförderung. Im Mittelpunkt steht dabei die Beratung von Frauen, die in den Beruf einsteigen oder in die Erwerbstätigkeit zurückkehren wollen.