13.06.18

Blick über den großen (Fisch-)Teich

Kategorie: Nachrichten, Archiv

Mit Schrot füttert Jürgen Knutzen die Forellen im Teich. Nach jedem Schwung aus der Kelle fängt das Wasser vor Fischleibern an zu brodeln. (Foto: Kienitz/egeb)

egeb-Exkursion zur Fischzucht Knutzen in Hohenlockstdt-Springhoe / „Der Karpfen schmeckt so, wie das Wasser, aus dem er stammt“

Hohenlockstedt, 13.06.2018 – Wer „Omas Karpfen“ zu fett, zu grätig, zu modrig fand und daher auf diesen Fisch verzichtet, erlebt bei Ursula und Jürgen Knutzen in Hohenlockstedt-Springhoe eine Überraschung. Hier ist das Fleisch des Karpfens fest, der Geschmack frisch und ein Grätenschneider sorgt nach dem Filetieren für ungetrübtes Essvergnügen. „Der Karpfen schmeckt immer so, wie das Wasser, aus dem er stammt. Wenn er genug frisches Wasser zur Verfügung und genug Zeit zum Wachsen hat, stimmt auch die Qualität“, erläuterte Ursula Knutzen den Teilnehmern der jüngsten egeb-Exkursion, die diesmal zu dem erfolgreichen Fischzuchtbetrieb führte.

Die ersten Teiche in Springhoe entstanden 1885 durch den Torfabbau und wurden samt einer Hofstelle von einer Versuchsanstalt betrieben. 1930 erwarb der Großvater von Jürgen Knutzen den Betrieb, der heute in der dritten Generation bewirtschaftet wird. Von der 80 Hektar großen Gesamtfläche werden etwa 30 Hektar für Teiche und Fischzucht verwendet, weitere Flächen sind an Landwirte aus der Nachbarschaft verpachtet worden.

Die Wasserflächen sorgen für einen idyllischen Anblick, der Touristen, Kunden und ganze Gruppen von Interessierten anlockt. Auch TV-Koch Tim Mälzer war bereits mit einem Kamerateam vor Ort und hat die regionale Fischzucht unter die Lupe genommen. Doch zuweilen wir die Idylle getrübt. „Seit der Kormoran ab etwa Mitte der 1980-er Jahre immer wieder auch nach Schleswig-Holstein kommt, haben wir mit einem gewissen Schwund zu kämpfen“, berichtet Ursula Knutzen, eine Tierärztin, die sich gegen eine Praxis und für die Fischwirtschaft entschieden hat. Neben dem Kormoran gibt es weitere Vogelarten wie Fischreiher sowie Seeadler und Fischadler, die den Inhalt der Fischteiche zu schätzen wissen. Neben Karpfen, der zwi-schen September und Ostern Saison hat, gibt es bei Knutzen auch Forellen und andere Süßwasserfische wie zum Beispiel den Saibling.

Wer die Fische nicht selbst angeln möchte – auch das ist möglich ¬– kann sie im Verkaufsgebäude frisch oder geräuchert kaufen. Weitere Standbeine des Betriebes sind ein Partyservice für Selbstabholer und die Arbeit mit Gruppen, von Volkshochschulkursen bis zu universitären Projekten. Ganz neu ist ein neues Betriebsgebäude, das den Informationen über die Fischwirtschaft gewidmet und unter anderem als außerschulischer Lernort vorgesehen ist. Der Bau, dessen Räumlichkeiten für einzelne Projekte vermietet werden sollen, wurde von der AktivRegion Holsteiner Auenland mit EU- und Landesmitteln gefördert.

Arbeit gibt es in dem Fischzuchtbetrieb genug. Daher setzen die ausgebildeten Fischwirte auch auf Nachwuchs. Dabei können junge Auszubildende vom Fachwissen und von der Erfahrung der Inhaber profitieren. „Zurzeit haben wir gerade wieder einen Ausbildungsplatz frei. Wer Interesse hat, kann sich gern bei uns um eine wirkliche nicht alltägliche Ausbildung bewerben“, berichtet Ursula Knutzen. Zu Beginn der Veranstaltung hatte egeb-Wirtschaftsförderer Christian Holst, selbst ein passionierter Angler, die Teilnehmer der Exkursion begrüßt und auf die Bedeutung der Fischzucht Knutzen GbR als „Hidden Champion“ der Region hingewiesen. Organisiert worden war die Betriebsbesichtigung von egeb-Mitarbeiterin Britta Gerckens.