05.10.17

Psychisch gesund durchs (Berufs-)Leben

Kategorie: Nachrichten, Archiv

Astrid Gruber (re.) von Frau & Beruf stellte die Referenten Petra Kaiser und Michael Behrends (beide „Brücke Schleswig-Holstein“) vor und führt kurz in das komplexe Thema "Resilienz" ein. (Foto: Kienitz/egeb)

Meldorf, 04.10.2017 – Jahr für Jahr steigt die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen einer psychischen Erkrankung ausfallen. In der Folge entstehen für die deutsche Wirtschaft und die Krankenkassen zusätzliche Kosten in Höhe von vielen Millionen Euro. Das machten die Resilienztrainer Petra Kaiser und Michael Behrends von der Brücke Schleswig-Holstein GmbH bei einem Vortragsnachmittag im Meldorfer Centrum für Angewandte Technologen (CAT) deutlich. „Viele Menschen fühlen sich mit ihren täglichen Aufgaben wie überladene Packesel. Die ständige Erreichbarkeit, zu kurze Regenerationsphasen und auch familiäre Probleme führen zu immer mehr psychischen, aber auch physischen Erkrankungen “, erklärte Petra Kaiser. Sie erläuterte, welche Faktoren die Menschen an den Rand ihrer Kraft und darüber hinaus bringen.

Doch es gibt Auswege aus scheinbar vorgegebenen Pfaden. Michael Behrends zeigte auf, wie eine gewisse Widerstandskraft und Belastbarkeit – mittlerweile bekannt als „Resilienz“ – aufgebaut und gehalten werden kann. „Resilienz ist eine Veranlagung, die in jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt ist und aktiv angestoßen sowie gestärkt werden kann“, erklärte Behrends. In entsprechenden Trainings gelte es demnach, bestimmte Faktoren wie zum Beispiel, Flexibilität, Optimismus, Selbstfürsorge, Akzeptanz und Improvisationsvermögen zu stärken.

Petra Kaiser nahm diesen Faden auf und erläuterte, wie sich Resilienz trainieren lässt. Das beginnt zunächst immer mit der Analyse des individuellen Ist-Zustandes. Dabei stellen sich fragen wie „Was raubt Energie?“ und „Wie ändere ich meine Haltung?“. In mehreren Schritten werden die Betroffenen dann dahin geführt, dass sie Veränderungen offenen gegenüberstehen, die eigenen Belastungsgrenzen erkennen, aktiv mit Kollegen und Vorgesetzten kommunizieren und auch Veränderungsprozesse selbst mit gestalten. Dieser Prozess ist jedoch komplex; schließlich beinhaltet er eine Verhaltensänderung und eine Änderung der innersten Einstellungen.

Auch auf der Führungsebene ist Resilienz mittlerweile ein wichtiges Schlagwort. Die Referenten stellen sich den idealen Vorgesetzten als Menschen vor, der seine eigenen Leistungsgrenzen kennt, eine vertrauensvolle Beziehung zu seinen Mitarbeitern aufbaut, deren Eigenverantwortung fördert und auch klar und transparent kommuniziert. Im Bereich der Geschäftsführung wird eine eher strategische Denkweise bevorzugt, die vorab über mögliche Krisen und Veränderungen nachdenkt und dementsprechend Lösungswege sucht. „Resilientes Verhalten bedeutet, dass die Geschäftsleitung neben der sachlichen auch die menschliche Ebene sowie die Kultur des Unternehmens bei den Planungen berücksichtigt“, erläuterte Petra Kaiser.

Vor den Referaten gab Astrid Gruber von Frau & Beruf, die den Informationsnachmittag mit ihrer Kollegin Astrid Nielsen aus dem Kreis Steinburg organisiert hatte, eine kurze Einführung in das Thema. Dabei machte sie deutlich, dass in der praktischen Beratungsarbeit immer häufiger auch die psychische Belastbarkeit als entscheidender Faktor bei beruflicher Neu- beziehungsweise Umorientierung und Jobsuche angesprochen werde.