17.07.17

Mit Wasserstoff die „Stromlücken“ füllen

Kategorie: Nachrichten, Archiv

Mai-Inken Knackfuß, Geschäftsführerin des watt_2.0 e. V.

André Steinau, Referent der Geschäftsführung der GP Joule GmbH.

Energieforum der egeb: Wirtschaftsförderung in Brunsbüttel / Referenten setzen sich für Wertschöpfung aus Erneuerbaren Energien in der Region ein

Brunsbüttel, 17.07.2017 – Wenn der Strom aus den Windkraftanlagen nicht mehr abtransportiert werden kann, soll mit Hilfe der überschüssigen Energie Wasserstoff erzeugt werden. In Flautezeiten kann die Energie dann wieder über eine Biogasanlage zur Stromerzeugung genutzt werden, um die „Lücken“ zu füllen. Mit diesem Konzept startet die GP Joule GmbH demnächst ein großes Pilotprojekt in Nordfriesland. „Wasserstoff ist sehr wertvoll und kann auch in anderen Bereichen genutzt werden, zum Beispiel in der Industrie und besonders im Bereich der Mobilität“, erläuterte André Steinau, Referent der Geschäftsführung des Unternehmens, auf der jüngsten Veranstaltung der egeb: Wirtschaftsförderung in Brunsbüttel.

Zurzeit gibt es 33.000 Anlagen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien in Schleswig-Holstein. Prognostiziert wird, dass das Land im Jahr 2030 rechnerisch etwa 300 Prozent der Energie erzeugt, die es selbst benötigt. Dann werden, so Steinau, selbst die jetzt neu gebauten Stromtrassen nicht mehr ausreichen, um die Energie abzutransportieren. „Wir müssen die wertvolle Energie hier vor Ort selbst veredeln. Und dabei bietet sich die Elektrolyse, also die Umwandlung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, geradezu an“, erklärte der Manager, der aus Reußenköge, dem Hauptstandort des Unternehmens, angereist war.

Das ehrgeizige und staatlich bezuschusste Pilotprojekt der GP Joule sieht eine umfassende Vermarktung des so gewonnen Wasserstoffs vor. Dazu gehört auch der Einsatz von zunächst zwei Bussen in Husum, die ausschließlich durch Wasserstoff betrieben werden. Außerdem könne das Gas in der Region verkauft und zudem bis zu einem gewissen Prozentsatz dem Erdgasnetz beigemischt werden. Das Hauptproblem liegt dabei nicht im technischen Bereich. Vielmehr ist das subventionierte, aus Russland kommende Erdgas zurzeit so günstig, dass die Erzeugung durch Erneuerbare Energien im Vergleich als zu kostenintensiv gilt.

Die 2009 aus landwirtschaftlichen Betrieben heraus gegründete GP Joule ist mittlerweile weltweit tätig und verfügt auch über Büros in Lübeck, Berlin und Süddeutschland sowie in Toronto und in Kalifornien. Dabei bietet sie Anlagen und Dienstleistungen rund um die Erneuerbaren Energien im großen Stil an und betreibt auch eigene Anlagen und Netze. „Die norddeutsche Energiewende ist ein echter Exportschlager“, so Steinau.

Zuvor hatte Volker Jahnke von der egeb: Wirtschaftsförderung die Gäste begrüßt und auf das Thema eingestimmt. Er machte deutlich, dass es demnächst auch in Brunsbüttel eine reine „Wind-to-Gas“-Anlage geben werde.

Im Anschluss daran stellte Mai-Inken Knackfuß den watt_2.0 e. V. vor, einem 2011 gegründeten Verband, der sich unter anderem auf die Fahnen geschrieben hat, die Energiewende in Schleswig-Holstein voranzutreiben. Dem Verein gehören Vertreter sehr unterschiedlicher Branchen an, darunter Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen, aber auch Handwerker, Kreditinstitute, Stadtwerke und Juristen. „Wir verstehen uns als Impulsgeber, der Handlungsempfehlungen für die Politik entwickelt, aber auch als Initiator von konkreten Programmen und Aktivitäten“, beschrieb Geschäftsführerin Mai-Inken Knackfuß den watt_2.0 e. V.