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Arbeit für Ältere - eine Chance für Betriebe
Kategorie: NachrichtenVon: Petra Tiedemann
VHS-Fachbereichsleiterin informiert über "Age Management"

Über das Thema referierte Diplom-Ökonomin Elke-Heidrun Schmidt (2.v.l.), Fachbereichsleiterin der Volkshochschule Brunsbüttel, auf Einladung der Weiterbildungsverbünde Dithmarschen und Steinburg. Beraterteam: Jürgen Hansen, Petra Tiedemann und André Mewes (v.l.)
Über viele Jahre galt die staatlich geförderte Altersteilzeit als Patentrezept, um älteren Mitarbeitern den Einstieg in den vorzeitigen Ruhestand schmackhaft zu machen - und Arbeitsplätze für jüngere Arbeitnehmer in den Unternehmen zu schaffen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Den Betrieben mangelt es heutzutage zunehmend an qualifizierten Fachkräften, jüngere Mitarbeiter sind immer schwerer zu finden. Für die Firmen gewinnen ältere Beschäftigte und deren berufliche Erfahrungen daher zunehmend an Bedeutung. Diese Fachkräfte im Arbeitsprozess zu halten, stellt die Unternehmen allerdings vor große Herausforderungen.
"Der demografische Wandel erfordert eine Neuausrichtung der Personal-politik", ist Elke-Heidrun Schmidt, Fachbereichsleiterin der Volkshochschule (VHS) Brunsbüttel, überzeugt. Die Zauberformel heißt "Age Management". Das stellte die Diplom-Ökonomin auf Einladung der Weiterbildungsverbünde Dithmarschen und Steinburg bei einem Vortrag im egeb: Forum Mittelstand eindrucksvoll dar. Vor Vertretern von kleinen und mittelständischen Unternehmen der beiden Landkreise zeigte die VHS-Fachbereichsleiterin im Centrum für Angewandte Technologien (CAT) in Meldorf Lösungsansätze auf. Sie forderte, die eigene Einstellung zu überdenken. Vielfach stünden Vorurteile der Beschäftigung Älterer im Wege. "Age Management beginnt in den Köpfen - von Chefs, Personalleitern, Kollegen, aber auch in den Köpfen der Älteren selbst", sagte Schmidt. Verwunderlich sei das allerdings nicht. "Der vorzeitige Ausstieg aus dem Berufsleben ist uns über Jahrzehnte intensiv vorgelebt worden." Eine klare Absage erteilte die Referentin aus diesem Grund auch den 50plus-Kampagnen. "Sie sind kontraproduktiv."
An Hand der jüngsten Bevölkerungsprognose für den Kreis Dithmarschen wird die aufgehende Schere zwischen jüngeren und älteren Arbeitskräften sehr deutlich. Bis zum Jahr 2020 wird die Zahl der Einwohner im Kreisgebiet auf um rund 4500 auf 130.500 zurückgehen. "An unter 20-Jährigen wird es uns mittelfristig fehlen", verdeutlichte Schmidt. "Dithmarschen trifft es ziemlich hart." Der Kreis Steinburg sei davon nicht ausgenommen. Anders stellt sich das noch im Kreis Pinneberg im Hamburger Randgebiet dar.
Ziel der Unternehmen muss nach Ansicht von Elke-Heidrun Schmidt daher sein, den "sinn- und zufriedenheitsstiftenden Wert der Arbeit" wieder stärker in den Fokus zu rücken. Sie plädierte für altersgemischte Teams, in denen erfahrene Beschäftigte den Jüngeren ein Vorbild sein könnten. Wichtig sei zudem, die älteren Mitarbeiter nicht von Weiterbildungsmaßnahmen auszuschließen. Neben flexiblen Arbeitszeiten könnten auch altersgerecht gestaltete Arbeitsplätze dabei helfen, erfahrene Mitarbeiter länger im Betrieb zu halten. "Da ist von meiner Seite natürlich auch ein wenig Sozialromantik dabei", bekannte die Fachbereichsleiterin. Dennoch spiele ein offensives Gesundheitsmanagement eine wesentliche Rolle, um "alternsrobuste Strukturen" in den Unternehmen zu schaffen. Unterstützung in diesem Bereich bieten nicht nur KMU-Förderprogramme, sondern auch Bildungsträger wie die Volkshochschulen oder Krankenkassen.
Von einem nachhaltigen Age Management - oft auch Senior Age Management (SAM) genannt - werden nach Auffassung der Diplom-Ökonomin im Wettstreit um Fachkräfte vor allem kleine und mittlere Unternehmen profitieren, weil sie in der Vergangenheit weniger auf den Vorruhestand gesetzt haben. Als erste Instrumente empfahl die Referentin, die sich im Rahmen ihrer gerade abgeschlossenen Forschungsarbeit zum Thema "Altersbilder in der Erwachsenenbildung" intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, eine betriebliche Analyse zur Altersstruktur sowie eine systematische Dokumentation und Kommunikation. Denn, so Elke-Heidrun Schmidt: "Altern am Arbeitsplatz muss wieder möglich sein."
