16.07.14

egeb-Unternehmertag: Was Unternehmen vom Profifußball lernen können

Kategorie: Nachrichten
Von: info(at)egeb.de

Vizepräsident des FC St. Pauli referiert im Büsumer mariCUBE: Wirtschaftsunternehmen müssen sich „emotional mehr aufladen“

Nach einer kurzen Einführung ins Thema gab egeb-Geschäftsführerin Martina Hummel-Manzau den Ball an den Referenten, Dr. Bernd-Georg Spies, weiter. (Foto: egeb/Kienitz)

Büsum, 15.07.2014 – Ob Personalführung, Finanzierung oder Marketing – Profifußballvereine und Wirtschaftsunternehmen haben mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Das wurde beim jüngsten Unternehmertag der egeb: Wirtschaftsförderung im Büsumer Wirtschafts- und Wissenschaftspark mariCUBE deutlich. Dr. Bernd-Georg Spies, Vizepräsident des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli und Partner von Russell Reynolds Associates, zeigte am Beispiel seines Vereins auf, wie beide Seiten voneinander lernen können.

Wichtig erschien Dr. Spieß ein Hinweis auf die emotionale Komponente: „Auch Unternehmen müssen, wie der Profifußball, einen Schuss Leidenschaft demonstrieren, wenn Sie gute Mitarbeiter gewinnen wollen“, erklärte der Spitzenmanager, der sein Amt im Club ehrenamtlich ausführt. Die Firmen sollten sich „emotional mehr aufladen“. „Die Fans lieben den Club und sie leiden mit dem Club“, so Dr. Spieß. Das wäre auch für die Mitarbeiter oder gar die Kunden eines Unternehmens wünschenswert.

Wie die Fußballvereine sollten sich Manager und Geschäftsführer zudem darum bemühen „Politik besser zu verstehen“ und ein Gefühl dafür zu entwickeln. Immerhin habe sich die Politik ein Stück Deutungshoheit zurückgeholt und lege die Rahmenbedingungen des Handelns fest, erläuterte der frühere Staatssekretär im Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern am Beispiel der Energiewende. Auch Fußball müsse sich stets der öffentlichen Debatte stellen, wenn es beispielsweise um das Thema Sicherheit gehe.

Fußball und Wirtschaft sind nach Ansicht des Referenten gleichermaßen betroffen von dem stark veränderten Kommunikationsverhalten der Jugend und der globalen Digitalisierung. Auch vermeintliche Kleinigkeiten werden heute in Sekundenschnelle über das Internet bekannt gemacht. So verbreiten sich Neuigkeiten jenseits der herkömmlichen Medien in schier unglaublicher Geschwindigkeit, und zwar besonders wenn es um negative Informationen oder um Infos über Prominente geht.

Besonders interessant waren die Ausführungen von Dr. Spies zum Thema Image- und Markenbildung – die Vergleiche zwischen Sport und Wirtschaft lagen hier besonders auf der Hand. Der FC St. Pauli sei dabei bereits an der Spitze etabliert und gehöre in diesem Bereich zu den Großen des deutschen Fußballsports, neben Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Eintracht Braunschweig. Allerdings werden die Marke des Kiezclubs und der Sport nicht um jeden Preis vermarktet. Das Millerntor-Stadion in Hamburg soll auch in Zukunft so heißen, obwohl der Verein mit dessen Vermarktung weitere Millionen einnehmen könnte.

Auf der anderen Seite hat auch der Fußball von der Wirtschaft bereits viel lernen können. Der St. Pauli-Vizepräsident nannte in diesem Zusammenhang das Controlling in der Geschäftsstelle, die leistungsorientierte Bezahlung von Mitarbeitern, aber auch die zahlreichen Statistiken auf dem Rasenplatz, die von gewonnenen Zweikämpfen bis zur gelaufenen Strecke während eines Spiel reichen. Noch nicht konsequent durchgesetzt haben sich die Erkenntnisse aus dem eigentlichen Spezialgebiet des Referenten, nämlich die externe Personalberatung und -beschaffung, auf die Auswahl von Spielern. „Da gibt es noch Nachholbedarf“, sagte Dr. Spies.

Vor dem Referat und der lebhaft geführten Diskussion hatte die Geschäftsführerin der egeb: Wirtschaftsförderung, Martina Hummel-Manzau, leichtes Spiel, um in das Thema einzuführen. Immerhin hatte die deutsche Elf bei der WM Brasilien zwei Abende zuvor mit 7:1 geschlagen und Fußball war daher in aller Munde. Analog zu den WM-Teams wurde dann auch das egeb-Wirtschaftsförderungs-Team vorgestellt. Anschließend übergab sie symbolisch und auch ganz real den Ball an den Referenten des Tages weiter.